Abenteuer Inferno 2010

Lesen Sie hier die Zusammenfassung von Holger Merz von seinem Rennen in der Schweiz am 21. August 2010.

"War wirklich mal wieder ein aussergewöhnliches Rennen und damit ichs nicht immer wieder neu erzählen muss, hab ichs mal zusammengefasst." (Holger Merz)

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Download Bericht Triathlon in Roth

Interview mit dem Ausnahmesportler Holger Merz

Weitere Bilder zu Holger Merz und seinem Hobby finden Sie im Menü Interaktiv unter Bildergalerie.

Das Interview wurde von Sidonie Herchenröder und Stefan Fuchs am 19.10.2008 geführt
(H = Holger, S = Stefan/Sidonie)


S: Wo sind die belegten Brötchen?
H: hahahahah git koa

S: Wie bist du zu dem „nicht alltäglichen“ Sport gekommen?
H: Im Kopf hat es sich im Oktober 2005 festgesetzt: ich war mit Harald Schneider in Indien. Anlass für ein Umdenken war meine schwere Knieverletzung, die ich im September beim Fußballspielen erlitt.
Da wusste ich aber noch nicht, ob diese Vision für mich überhaupt umsetzbar ist.

S: Warum gerade Triathlon?
H: Diese Sportart hat mich schon immer fasziniert, außerdem war ich schon immer Multisportler. Neben meinem damaligen Haupthobby Fußball hatte ich schon immer andere Sportarten wie Langlauf, Inliner, Joggen, Radfahren, etc. nebenbei gemacht, da ist ja Triathlon schon nahe liegend.
„Wenn man halt vieles macht aber nix wirklich gut kann, dann macht man Triathlon, dann fällt das nicht so auf“.

S: Wie und wann hast du mit dem Training angefangen?
H: Im Januar 2006 habe ich mit Schwimmen angefangen, weil das die größte Hürde war. Ich bin zweimal die Woche zum Schwimmen nach Schlüchtern gefahren und hab mir das Kraulen selbst beigebracht. Am Anfang waren schon 500m eine Tortur, aber schon nach 2 Monaten waren große Distanzen kein Problem mehr, nur schneller werden musste ich noch. Schwimmen ist zu 70% eine Sache der Technik, die nur durch weiteres Training besser wird.

S: Wie oft trainierst du in der Woche?
H: Eigentlich sollte man, wenn man es ambitionierter betreibt, einen Trainingsplan haben, ich habe nicht wirklich einen. Ich trainiere so wie es Spaß macht und ich Zeit habe, zwar nicht ganz planlos, aber doch ohne Plan, aber mit der Zeit kommt dann doch immer mehr Struktur ins Training.
Über meine Umfänge kann man ganz schwer eine Aussage treffen.
Ich beginne im Frühjahr vor den Wettkämpfen mit Laufen und Schwimmen. Im Schnitt 5 Tage pro Woche, mit ca. 1-2 Stunden pro Tag. Am Wochenende mache ich schon mal längere Einheiten über mehrere Stunden, speziell auf dem Rad. Im April versuche ich immer ein einwöchiges Trainingslager einzubauen, bei dem dann mal 700 Km am Stück zusammen kommen, um richtig in die Radsaison zu starten.
In diesem Jahr hat sich mein Training während der Wettkampfsaison dann stark reduziert. Aufgrund der vielen Wettkämpfe an denen ich dieses Jahr gestartet bin, war zwischendrin nicht soviel Zeit für zusätzliches Training, denn die Regeneration darf bei so hoher Belastung nicht zu kurz kommen.

S: Hast du einen Ernährungsplan?
H: Ich mache mir wenig Gedanken über Ernährung, ich verzichte lediglich während der Saison (weitestgehend) auf Alkohol. Ich esse völlig normal, gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Vor einem großen Event, wo der Kohlenhydrateverbrauch sehr hoch ist, esse ich dann schon mal in der letzten Woche insbesondere viel Nudeln.

S: Was war dein erster Wettkampf?
H: Mein erster Wettkampf war der Hamburg City Man, eine olympische Distanz mit 1,5 Km Schwimmen, 40 Km Radfahren und 10 Km Laufen. Eigentlich sollte man zum Einstieg ja mal einen Schnuppertriathlon absolviert haben, aber einen olympischen zu überstehen hab ich mir schon zugetraut.
Dieser Triathlon war ein Riesenspaß und meine Zeit lag bei 2:43 Stunden. Für den Einstieg war das für mich eine „Topzeit“ (für heute eine halbe Stunde zu langsam *grinzzz*). Ab da stand fest, dass das mein Sport ist.

S: Wie sind eigentlich die Strecken bei einem Langdistanz-Triathlon?
H: Langdistanz (Iron-Man-Distanz): 3,8 Km Schwimmen, 180 Km Radfahren und 42,195 Km Laufen. Die olympische Distanz setzt sich aus 1,5 Km Schwimmen, 40 Km Radfahren und 10 Km Laufen zusammen. Dann gibt es noch Mitteldistanzen mit 2km Schwimmen, 90km Rad und 21km Laufen.

S: Was waren deine größten Erfolge?
H: Natürlich mein allererster Iron Man, der Ironman Germany in Frankfurt 2007. Man weiß speziell beim ersten mal überhaupt nicht, was an so einem langen Tag auf einen zukommt und erst wenn man im Ziel ist kann man es realisieren. Mit dem damals einzigen Ziel „Ankommen“ hatte ich mit 11:15 Stunden eine wahnsinns Zeit und mehr geschafft als erträumt.
In 2008 wars dann der Quelle Challenge Roth der als absoluter Höhepunkt der Saison anstand. Bei einem Langdistanz-Triathlon weiß man nie wie ein Rennen ausgeht, je länger die Distanz, desto ungewisser der Verlauf. Morgens kann es einem noch gut gehen, mittags, bzw. nachmittags kann man physisch und (oder) mental, komplett einbrechen. Nach 2007 konnte ich mit einer Zeit von 10:54 Stunden in Roth eine neue persönliche Bestzeit erreichen und meinen Erfolg bestätigen. Roth war wie auch Frankfurt im Vorjahr ein unbeschreibliches Erlebnis. Für einen Ironman hat man nur einmal im Jahr die Chance und wenn da die Form nicht stimmt, erst wieder im neuen Jahr.


S: Deine schönsten Erlebnisse waren …
H: Mittlerweile betreibe ich den Sport seit 2,5 Jahren und könnte schon ein Buch über meine schönsten Wettkämpfe und einige erlebte Anekdoten schreiben. Ich hatte bisher eigentlich ausschließlich positive Erlebnisse und kann gar nicht alle aufzählen, jedes Rennen ist auf eine Art ein Highlight. Manches lässt sich auch nur schwer in Worte fassen, das sind einfach einmalige Erlebnisse, egal ob herrliche Landschaften bei einem Radmarathon oder emotionale Hochgefühle, wenn man sich seinen Weg durch die Zuschauermassen bahnt. Zu meinem Sport zählt ja nicht ausschließlich Triathlon, sondern auch die Radmarathons oder die Marathonläufe, die ich zwischendurch oder zur Vorbereitung noch einbaue. Die Spessart Challenge ist auch noch mal ein ganz besonderes Highlight. 10 Km Stadtlauf samstags, 55 Km Mountainbike und 7,6 Km Berglauf sonntags, mit Ziel auf dem Molkeberg in Bad Orb ist eine spitze Veranstaltung und noch mal ganz was anderes. Auch der Berlin Marathon mit dem ich dieses Jahr meine Saison beendet habe, bleibt unvergesslich.


S: Was sind deine Zukunftspläne und Ziele?
H: Wenn man erst mit 32 Jahren mit Triathlon anfängt, ist und bleibt es ein reines Hobby. Mein Hobby ist ganz klar hinter meinen beruflichen und privaten Zielen angesiedelt. Außerdem muss es natürlich gesundheitlich passen, aber bisher bin ich seit 2,5 Jahren komplett verletzungsfrei geblieben, was beim Fußball bei mir ja keine 2,5 Monate geklappt hat.
Auch in 2009 habe ich wieder vor auf eine Langdistanz gehen, mit dem Ziel meine persönliche Bestzeit erneut zu toppen, allerdings steht das Motto nach wie vor „dabei sein und ankommen ist alles“ an erster Stelle. Das absolute Highlight im nächsten Jahr kann aber evtl. auch etwas anders ausfallen. Mir geht da was im Kopf herum, aber zum jetzigen Zeitpunkt steht noch nichts fest und ich möchte daher auch noch nichts Preis geben, was noch nicht sicher ist.


S: Hawaii Ironman ???

H: (ein zögerliches „jaahh“) Klar ist der Ironman Hawaii der Ritterschlag für jeden Triathleten, aber da wag ich momentan nicht mal davon zu träumen. Sportlich gesehen ist die Qualifikation sehr anspruchsvoll. In meiner Altersklasse bekommen nur die besten 50 das Ticket für Hawaii. Was einer Zeit von etwa 9:30 - 9:45 Stunden in meiner Altersklasse gleichkommt. Da müsste ich noch ’ne gute Stunde drauflegen und der Trainingsaufwand dafür steigt quadratisch. Natürlich bleibt es ein großer Traum der für mich nicht mehr unmöglich ist, aber selbst mit geschaffter Quali ist ein Hawaiistart auch eine finanzielle Sache. Leider habe ich noch keinen Sponsor gefunden. :-)

S: Hat dieser Sport auch Nachteile?
H: Triathlon ist einer der härtesten Sportarten und nirgendwo sonst kommt man so nahe an seine physischen und mentalen Grenzen. Dafür ist es bei den Profis eine der am schlechtesten bezahlten Sportarten. Im Hobbysport sind die hohen Startgebühren bei den großen Ironmans ein echtes Problem. In Frankfurt liegen die Startgebühren mittlerweile schon bei 400 EUR. Noch teurer wird’s natürlich wenn Anreise, Hotel usw. hinzukommen. Wenn ich weiter weg starte, verbinde ich das deshalb immer gleich mit meinen Urlaubsplänen, sonst ginge das gar nicht. Ansonsten sehe ich keine Nachteile, auch der Aufwand für das Material wird überschätzt. Man braucht kein Profirennrad für 4.000 EUR um an einem Triathlon teilzunehmen, da reicht auch ein normales Rennrad. Erst wenn man vorne mitfahren will, braucht man etwas mehr Hightech.

S: Würdest du diese Sportart anderen empfehlen? Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?
H: Klar würde ich jedem diese Sportart empfehlen, alleine wegen der einzigartigen Erlebnisse. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache, da man physisch und psychisch an seine Grenzen gerät. Viele greifen sich schon an den Kopf, wenn sie nur den Streckenumfang hören. Trotzdem ist der Sport absolut faszinierend, auch wenn man denkt, dass das nicht gesund sein kann. Das Training für die Wettkämpfe als Vorbereitung auf so ein Rennen ist absolut gesund, abwechslungsreich und keinesfalls ungesünder als Fußball. Sicherlich ist ein Ironman nicht das gesündeste, was man machen kann, aber es bleibt bei mir auch die einzige Sünde im Jahr (das ist genauso, wie wenn man das ganze Jahr über nix säuft und sich dann einmal im Jahr die Lichter ausschießt).